Beitrag 01/2013

Begutachtung von Demenzkranken durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung

 

Die Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen erledigen ihre Arbeit in der Regel verantwortungsbewusst. Trotzdem kommt es in der Praxis manchmal zu Fehldeutungen bei der Begutachtung.

 

Das oftmals unauffällig wirkende Erscheinungsbild Demenzkranker und aufgrund der relativ kurzen Zeit für die Begutachtung besteht die Gefahr, dass der tatsächliche Hilfebedarf vom Gutachter unterschätzt und entsprechend fehlinterpretiert wird. Gründe dafür können sein:

 

  • dem Demenzkranken ist äußerlich nichts anzusehen

  • Beweglichkeit deutet nicht darauf hin, dass der Erkrankte fähig ist einfache Handlungen selbstständig auszuführen, das heißt: Wenn der Erkrankte zwar motorisch die Verrichtung ausüben könnte, jedoch deren Notwendigkeit nicht erkennen oder nicht in sinnvolles zielgerichtetes Handeln umsetzen kann

  • er wirkt in seiner vertrauten Umgebung zum Zeitpunkt der Begutachtung unauffällig

  • er kann sich Fremden gegenüber als selbstständig darstellen und geschickt kognitive Einbußen überspielen

  • akustisches Verstehen bedeutet nicht inhaltliches Verstehen und Umsetzen können von Aufforderungen

  • Schwankungen im Tagesverlauf treten häufig auf, manche Demenzkranke können tagsüber relativ ruhig, orientiert und umgänglich, abends und nachts hingegen sehr verwirrt, unruhig und aggressiv sein.

Grundlage für die Feststellung der Pflegebedürftigkeit ist der Hilfebedarf in den Bereichen Körperpflege, Ernährung, Mobilität und Hauswirtschaft.

 

Bereits der notwendige Bedarf an Hilfe muss anerkannt werden. Auch wenn aus irgendwelchen Gründen die notwendige Zeit zur Pflege nicht zur Verfügung steht, muss der Gutachter trotzdem die notwendige Zeit zugrunde legen, die für eine ausreichende Pflege notwendig wäre.

 

Die Formen der anerkannten Hilfe sind:

Teilweise oder vollständige Übernahme der Verrichtung und Unterstützung bei den pflegerelevanten Verrichtungen. Bei Menschen mit einer Demenzerkrankung wird hauptsächlich Anleitung und Beaufsichtigung ein wichtiger Bereich der Pflege sein. Zur Anleitung gehört auch die Motivierung des Erkrankten. Sind z. B. motivierende Gespräche notwendig, um eine pflegerelevante Verrichtung überhaupt durchführen zu können, so sind diese Gespräche als Pflegezeit anzuerkennen. Es ist nachvollziehbar, dass Anleitung und Motivation für den Pflegenden ein mehr an Pflegezeit bedeutet, als eine rasche Übernahme der Verrichtung beispielsweise bei einem körperlich Erkrankten. Pflegezeit soll sich immer am Tempo des Erkrankten orientieren und nicht am Tempo des Betreuenden. Beginn und Ende der Pflegezeit sind somit nicht nur das tatsächliche Baden , Waschen, An- und Auskleiden usw., sondern bereits notwendige vorbereitende und einleitende Handlungen, sowie Aufforderungen – auch mehrfache – Eingehen auf Ängste, Reizbarkeit, Unsicherheit und Aggressionen ist anerkannte Pflegezeit. Sie schließt ebenso nachbereitende Tätigkeiten ein.

 

Der tatsächliche Pflegealltag wird für den Gutachter in der kurzen Zeit seines Besuches häufig nicht erkennbar. Daher ist es wichtig, dass Angehörige und Pflegende die Situation und das Ausmaß der Dementi bereits im Vorfeld dem Gutachter schildern. Dazu kann ein wenige Tage zuvor geführtes Pflegetagebuch hilfreich sein. Der Gutachter muss bei der Einschätzung des Hilfebedarfs grundsätzlich von nicht professionellen Pflegepersonen ausgehen. Sind zwei Pflegepersonen notwendig , muss die doppelte Pflegezeit anerkannt werden.

 

Im Rahmen der Begutachtung überprüft der Gutachter auch anhand von 13 gesetzlich vorgegebenen Fragestellungen, ob eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz vorliegt. Ergibt sich daraus ein erhöhter Betreuungsbedarf, stehen dem Erkrankten zusätzlich monatlich 100 € / 200 € für weitere Betreuungsangebote zur Verfügung.

 

Dem Gutachter gegenüber sollte nichts verharmlost oder beschönigt werden und vor allem sollte der Kranke und die Wohnung zum Begutachtungtermin nicht besonders fein hergerichtet werden. Der Gutachter sollte die normale Alltagssituation vorfinden. Er muss auf die Bitte eingehen, rücksichtsvoll mit dem Kranken umzugehen, z. B. wenn nicht offen über die Diagnose oder über die Defizite des Kranken gesprochen werden soll. Hierzu kann ein separates Gespräch mit dem Gutachter geführt werden. In den Begutachtungsrichtlinien wird der Gutachter darauf hingewiesen, dieses Gespräch zu ermöglichen, wenn eine entsprechende Bitte geäußert wird.

 

Haben Sie Fragen zum Artikel, gern sind die Mitarbeiter von Heidi's Altenpflege und Betreuungsservice für Sie da.

 

MN / Sozialarbeiterin

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